Mittwoch, 23. Juni 2010

Alle Macht dem Nutzer?

Die Kontrolle über die Infrastruktur der Kommunikation war immer klar (siehe vorheriger Artikel). Bis zum Erfolg der digitalen Medien.

Jetzt im Moment kehrt sich aber etwas um: schleichend, aber doch ganz deutlich spürbar geht die Macht über in die Hände der Konsumenten. Jeder kann publizieren – die Macht von traditionellen Produzenten nimmt ab. Aber noch viel wichtiger: Die Auswahl von Information funktioniert im Zeitalter der digitalen Medien im Internet ganz anders.

Der Nutzer entscheidet selbst, welche Information für Ihn relevant ist. Es wird immer schwieriger für den Sender,  Informationen einfach um der Information willen zu verbreiten. Information muss relevant sein, sonst kommt sie gar nicht an. Die Antwort darauf kann nur authentische, offene Kommunikation sein. Information, die für den Sender wichtig ist und nicht nur mit dem Selbstzweck "Informationsverbreitung" dient. Ein echtes Problem für den klassischen Journalismus?

Der kulturelle Wandel ist sicher nicht abgeschlossen. Relevante Informationen von Datenmüll zu unterscheiden muss man lernen und ist in der Gesellschaft und Bildung noch nicht tief verankert. Aber das Pendel schlägt immer mehr in Richtung des selbstbestimmten Nutzers aus.

Was hat das für Folgen?

Unternehmen, die über Ihre Tätigkeit und Ihr Angebot kommunizieren möchten (und das vielleicht sogar möglichst unverfälscht) haben durch das Medium Internet viel mehr Möglichkeiten, dies auch zu tun. Sie sind nicht mehr davon abhängig, dass Gatekeeper Ihre Geschichten spannend finden oder für vermarktbar halten. Für uns heißt das z.B., dass wir direkt und authentisch kommunizieren wollen - über einen Blog.

Gegenüber klassischen Medien ergeben sich einige Vorteile:

Verfügbarkeit (jetzt auch immer mehr mobil)
der Preis der Kopien
die nicht vorhandene Begrenzung in der Auflage
und damit die mögliche Anzahl der Empfänger...
durch Suchmaschinen wird die Kommunikation viel zielgerichteter und kontextbezogener
die schnelle Anpassbarkeit bietet uns viel mehr Möglichkeiten, schnell zu reagieren
und über die Einbindung von multimedialem Content müssen wir gar nicht sprechen...
Die Macht liegt dank der digitalen Medien nicht mehr bei dem, der entscheidet was gedruckt wird, sondern bei dem, der entscheidet was er liest!

Sonntag, 20. Juni 2010

Die Machtverschiebung im digitalen Zeitalter (20.06.10)

"Wissen ist Macht" - das ist keine ganz neue Weisheit. Die Entwicklung der Medien durch technischen Fortschritt ist nicht erst im digitalen Zeitalter relevant. Aber einen entscheidenden Unterschied gibt es: Die Machtverhältnisse werden auf den Kopf gestellt.

Wissen wird immer schon durch Medien transportiert. Mir fallen direkt einige Meilensteine in der Entwicklung ein:

Die Erzählung - es ist tief in uns verwurzelt: Wissen wird über Erzählungen weitergegeben. Das wirkt auch heute noch in allen Medien nach. Wir können Wissen besser im Zusammenhang vermitteln. Geschichten erfüllen Wissen mit Leben - dafür scheint unser Gehirn geradezu gemacht zu sein.

Die Schrift - hatte am Anfang sicher etwas von Zauberei. Plötzlich konnten Eingeweihte ohne zeitlichen Zusammenhang und persönlichen Kontakt Informationen und Wissen austauschen. Kommunikation konnte zeitversetzt, also asynchron, ablaufen.

Die Abschrift - das ist wahrscheinlich kein wissenschaftlich gut gewählter Begriff ... aber ich halte diesen Schritt hin von einer gleichberechtigten (1 zu1) Kommunikation zu einer hierarchischen (1 zu n) - Kommunikation für ganz entscheidend. Institutionen, wie z.B. Klöster haben Jahrhunderte großen Einfluss darauf gehabt, was vervielfältigt wurde – oder eben nicht. Jede einzelne Abschrift war mit großem Aufwand verbunden, hatte aber auch eine große und zu dieser Zeit noch relative klare Zielgruppe. Die Entscheider der Zeit konnten teilweise lesen und waren so auch beeinflussbar. Also, wenn das kein Machtzuwachs für den Schreiberling war!

Der Druck - hat in den Anfängen die Macht durch Vervielfältigung noch weiter unterstützt. Die Verfügbarkeit von Lesematerial förderte so aber auch die Zahl der Leser und auch später die der Verleger. Günstigere Druckverfahren und die Dienstleistung "Drucken" taten Ihr Übriges, um die Macht auf Verlegerseite zumindest aufzuteilen. Für die eine oder andere Institution mit Deutungshoheit sicher nicht einfach zu verkraften.

Ich denke bis zu diesem Punkt hat die stetige Steigerung der Anzahl der Medien und der einzelnen Publikationen die Macht auf Seiten der Produzenten stetig vergrößert, auch wenn diese Macht geteilt ist. Aber was ist auf der Konsumenten-Seite passiert? Was kommt bei dieser unglaublichen Menge noch an? Beeinflußt durch oberflächliche Inforamtionshappen, Werbung und bunte Cover von Magazinen hat sich die relevante Information reduziert, die beim Leser ankommt. Oder können Sie noch sagen, welche unsagbar wichtigen Informationen sie während Ihrer letzten Magazin-Lektüre aufgenommen haben?



Freitag, 22. Januar 2010

Die digitale Zwangshandlung

Sieht so eine Zwangshandlung aus?
"Den ganzen Tag über erreichen mich Mails, InstantMessages und Anrufe. Überall, rund um die Uhr und dank meines Blackberrys sogar allumfassend. Ich kann innerhalb von Sekunden reagieren. Was für ein Service für meine Kunden!
Endlich verschwende ich keine Zeit mehr, wenn die Besprechungen an denen ich teilnehme zu langweilig sind. Ich kann Mails beantworten, meine Termine planen, Ideen festhalten und gleichzeitig anwesend sein.
Wissen ist Macht, darum kann es auch nicht schaden, das ein oder andere Mal am Tag in spiegel.de oder in meinen RSS-Feeds zu stöbern. Es ist doch prima, wenn man mitreden kann und auf dem neuesten Stand ist. Gerade wenn man innovativ sein möchte, ist das unabdingbar."

Schöne neue Welt, oder?

Das Aufregende ist, dass durch die Informations- und Kommunikationsmedien alles gleichzeitig erlebbar wird - theoretisch jedenfalls. Aber macht das wirklich Sinn? Ist Aufmerksamkeit teilbar?
Was ist wichtiger? Über ein berührendes Schicksal am anderen Ende der Welt informiert zu sein, oder meinem augenblicklichen Gesprächspartner die volle Aufmerksamkeit zu schenken?

Nein, die Dinge werden nicht gleichzeitiger als zuvor, aber jetzt können wir die Information immer und überall auf direktem Wege bekommen. Twitter aus dem Iran, Facebook-Einträge einer eigentlich schon längst vergessenen Jugendbekanntschaft, wichtige Projektmails.

Von der Zwangshandlung zum bewußten Lenken der Aufmerksamkeit

Haben Sie sich schon einmal dabei beobachtet, wie wenig Sie Ihre Aufmerksamkeit selbst und vor allem bewusst lenken?
"Einen Moment, ich sehe gerade meinen Blackberry im Augenwinkel blinken. Ich kann zwar nicht bewerten, ob die Nachricht wichtig oder unwichtig ist, aber es durchströmt mich eine sanfte Adrenalin-Welle, die mich dazu zwingt, mein Smartphone mit ein paar Daumenbewegungen, die wahrscheinlich schon reflexartig aus dem Rückenmark kommen zu aktivieren."

Nur weil das Angebot da ist, muss man es doch nicht unbedingt konsumieren! Oder doch?

Konditionieren wir uns selbst?

Unser Gehirn scheint an diesem Punkt leider ziemlich einfach gestrickt zu sein. Wenn eine Befriedigung durch Information, Nahrung oder jeglichen anderen Konsum zeitlich nah gestillt werden kann, dann lernt es das sofort… und will mehr!

Manchmal hat es den Anschein, als könnten die wenigsten Menschen wirklich selbst entscheiden, ob und was genau Sie konsumieren, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind:

Das Angebot muss die Aufmerksamkeit erlangen. (Eine neue Nachricht!)
Und das Angebot muss leicht und direkt abrufbar sein. (Ein Klick!)
Was für eine Macht! Betrachtet man den Zusammenhang zwischen Angebot und direkter Erfüllbarkeit genauer, wird deutlich, mit welcher Intensität wir uns selbst mit dem zügellosen Kosum von Informationen konditionieren.

Aber ich habe doch keine Wahl!

Ein Mensch, der sich dessen bewusst ist, dass er immer die Wahl hat, seine Aufmerksamkeit zu lenken, trifft  die Entscheidung selbst. Wann setze ich mich welchem Reiz aus? Muss ich das Eintreffen jeder Mail mitbekommen? Brauche ich mehrmals am Tag Nachrichten?

Abschalten!

Haben Sie als Kind auch Löwenzahn geschaut? Da hat Peter Lustig uns doch schon die absolute Essenz der Selbstbeherrschung und Kontrolle der eigenen Aufmerksamkeit mit auf den Weg gegeben. Abschalten!

Natürlich kann man auch das Telefon für eine gewisse Zeit abschalten, um konzentriert arbeiten zu können. Das Mailprogramm muss nicht die ganze Zeit geöffnet sein - es ist ja kein InstantMessenger! Zweimal am Tag die Mail abzuarbeiten reicht normalerweise vollkommen, oder?  :-)

Medien können nicht gut oder böse sein. Entscheidend ist unser Umgang mit Ihnen. Seien Sie mutig, die Kontrolle zurückzuerobern!