Samstag, 31. Dezember 2016

Virtual Reality trifft Holografie und Augmented Reality

Heute möchte ich Ihnen anhand von drei Videos Momentaufnahmen zeigen. Es geht um die rasante Entwicklung im Themenfeld 3D und Bauplanung - genauer um Holografien bzw. Virtual Reality (VR) in Kombination mit Augmented Reality (AR).

Was wünschen sich Architekten, Fachingenieure und Bauherren? Mindestens eine kostensichere, zügige, transparente und möglichst irritationsarme Planungsphase. BIM tut allen Anforderungen genüge. Darüber hinaus aber gibt es noch die Möglichkeit, das entstehende 3D-Modell zum Kommunikationskern zu machen.

Etwa bei Stadtmodellen. Hier in der Planungsphase, um Zusammenhänge und Wechselwirkungen zu erkennen (Verkehr, Infrastruktur, Lärm, Grünflächen etc.) oder auch, um bestehende Städte zu analysieren. Im folgendem Video zeigt ein Nutzer mit Holo-Brille, wie sowohl planerische Informationsebenen als auch kommunikative überblendet werden können. Auch gelingt die Navigation im virtuellen Szenario recht flüssig - vom heimischen Wohnzimmer aus.

Eine alltags- als auch berufstaugliche AR-Variante ist in diesem Filmchen zu sehen. Ein technisches Problem in der realen Welt (ein zu ersetzendes Ventil) wird Schritt für Schritt gelöst. Der Nutzer agiert mittels AR in einer Art informativ angereicherten Wirklichkeit. Es dürften sehr bald auch komplexe Anwendungen reif sein - z. B. für hochinstallierte Produktionsumgebungen.

Wie AR auf die Baustelle kommt, haben wir bei "formitas" schon vor einigen Jahren erforscht. Die Firma "Autodesk" zeigt eine logische und perfektionierte Weiterentwicklung. Keine üblichen Endgeräte sind mehr nötig. Die Hände bleiben frei, denn die angereicherte Wirklichkeit findet über einen Helm statt, in den eine Brille eingearbeitet ist. Zwei Fliegen mit einer Klappe, denn das Konstrukt ist damit baustellentauglich und das Fachgespräch im real-virtuellen Raum mit normaler Mimik und Gestik möglich.

Schon gewusst, was „Phygital“ ist?

Wir sind im RWTH-Cluster „Smart Logistics" beheimatet und befassen uns auch in Forschungsprojekten mit dem Thema „Industrie 4.0“. Ja, eine digitale Revolution bestimmt die Produktionsumgebungen der Zukunft, ja, das wird alles verändern und ja, ohne Digitalisierung geht bald nichts mehr. Mit scheint allerdings, dass all das nur wenig begeistert.

Woran liegt’s? Oft entscheidet die Verpackung genauso über den Erfolg eines Produktes, wie der Inhalt. Was wäre, wenn wir für das Thema „Industrie 4.0“ eine neue Verpackung entwickeln? Eine freilich, die Wissenschaftler, Ingenieure, Kunden und Konsumenten gleichermaßen anspricht. Oder aber es gelingt, einen Aufhänger zu finden, der das Thema „Industrie 4.0“ gut transportiert.

Auf die letzte Idee hat mich der Artikel „Industrie 4.0 – Wo physische und digitale Welten zusammentreffen“ gebracht (Link unten). Im Begriff „Phygital“ stecken die reale und die virtuelle Welt. Man stolpert zunächst, findet jedoch relativ schnell den Zugang und erkennt den Sinn im Kunstwort. Ein kleiner Begriff vermag, die nötige Sensibilität zu wecken – und wie viel eleganter hört er sich an im Vergleich zu „Industrie 4.0“.

Der Artikel erläutert zunächst, wie virtuelle Produkte (z. B. Blogs oder Tweets) in gedruckte Zeitungsform kommen oder auch, wie reale Dinge (etwa Kunstgegenstände in Museen) mit virtuellen Informationen ergänzt werden. „Phygital“ geht also in beide Richtungen – rein in und raus aus der digitalen Sphäre. Über einen Schlenker ins Marketing kommt der Autor dann auch kurz in die Produktionswelt.

Sog. „Cyber-Physical-Systems“ (sprich digitale Fabriken) würden schon jetzt analoge und virtuelle Prozesse verzahnen. Ja, das kann ich bestätigen und auch, dass Virtual bzw. Augmented Reality wie auch QR-Codes zum Einsatz kommen. Bereichert hat der Artikel vor allem, weil er die Brücke schlägt zum Marketing. So wüchsen die verschiedensten Kanäle zusammen und für die „Generation Connected“ (die nach 1995 geborenen) gäbe es ohnehin keinen Unterscheid zwischen on- und offline mehr.

Was also, wenn künftig ein Endverbraucher das Produkt nicht mehr nur bestellen kann, sondern dabei ist, wenn es produziert wird? Man stelle sich vor, der Verbraucher wäre im virtuellen Szenario der digitalen Fabrik und könnte dort sogar Einfluss nehmen bzw. interagieren. Die Produktionsstätte wäre dann real und virtuell ins Maketingkonzept des Produzenten integriert und das Thema „Industrie 4.0“ schnell in aller Munde…

Link:
https://www.techdivision.com/blog/industrie-4-0-ist-phygital-wo-physische-und-digitale-welten-zusammentreffen/

Montag, 28. November 2016

BIM und Berufshaftpflicht

Steffen Lehmann ist Makler bei der UNITA-Versicherungsgruppe. Er ergänzte die „BIMconvention 2016“ mit einem Referat über eine BIM-konforme Berufshaftpflichtversicherung. Zunächst stellte er fest, dass die neue Planungsmethodik zum Berufsbild des Architekten gehöre und damit grundsätzlich versichert sei. Allerdings gestalte sich die Abgrenzung zu Tätigkeiten, die darüber hinausgingen, nicht einfach.

„Extra Vereinbarungen gehören in den Versicherungsschein“, so Lehmanns klare Aussage, die der Bemerkung vorausging, dass Versicherungen eine reine Koordinationspflicht des BIM-Managers nicht abdecken wollen. Die Anregungen zur BIM-Methodendefinition in den BVB, zur Erstellung eines BIM-Abwicklungsplans und den sog. „Auftraggeber-Informations-Anforderungen“ (AIA) mündeten in fünf Praxisempfehlungen.

Zunächst die Wiederholung, dass bei jeder Berufshaftpflicht das Berufsbild mit dem Versicherer zu klären sei und weiter, dass eine Klausel „Datenverlust“ vorgesehen werden solle und der Vertragstext darauf zu prüfen sei, welche Pflichten übernommen würden. In Punkto Rechtsschutz gälte es, Vervielfältigung und auch Drittverwendung von Daten zu bedenken. Die letzte Empfehlung wiederum zielte auf eine Elektronikversicherung und die Frage, ob darin auch Smartboards und andere Baustellen-Hightec sowie Cyber- bzw. IT-Versicherungen bedacht seien.

Zum Schluss tangierte Lehmann die Frage, was denn ein BIM-Manager tue und welche Relevanz das im Haftungs- bzw. Versicherungsgeschehen habe. Rege Diskussionen entfalteten sich in der Folge, denn gemeinhin steht der Architekt bzw. Projektsteuerer in der Koordinationsverantwortung und nicht der BIM-Manager. Einigkeit herrschte darüber, dass nur Sachverhalte ausgeführt werden sollten, die beauftragt seien, denn das klassische Rollenverständnis werde nicht gekippt, sondern nur ergänzt.

Dennoch blieb die genaue Abgrenzung zwischen Projektsteuerer und BIM-Manager strittig, denn wer haftet, wenn eine fehlerhafte Planung freigegeben wird? Hier würden wiederum klare Vereinbarungen im Vorfeld helfen, denn es könne nicht angehen, dass z. B. ein TGA-Planer sich auf die Prüfung durch das BIM-Management verlasse und dieses schlussendlich dafür hafte. Hier sei eine über alle Gewerke hinweg konzipierte Projektversicherung ein probates Mittel.

Donnerstag, 17. November 2016

BIM und Haftung

Die „BIMconvention 2016“ bot auch den richtigen Rahmen für eine rechtliche Perspektive auf BIM. Dr. Thomas Fehrenbach differenzierte zunächst Mehrparteienabkommen und vernetzte Einzelverträge. Würde diese Unterscheidung in der Frühphase des Projektes beachtet, könnten Stolpersteine beiseite gerollt werden, denn die Haftung orientiere sich daran.

In der Folge betrachtete der Düsseldorfer Fachanwalt vier Formen des BIM-Managements, nämlich Strategieberatung, Projektcontrolling, Koodination und Administration. Diese Arbeitsfelder stellten auch den Rahmen für entsprechend vertraglich definierte Leistungspflichten und seien ferner bedeutsam für Vergütung, Haftung, Kündigung und die sog. Gefahrtragung.

Die zweite Hälfte des Vortrags war der Haftung gewidmet. Eine Faustregel heiße hier: „Je mehr Aufgaben, desto umfangreicher das Risiko“. Die kooperative Arbeit mit BIM sei zwar ein Vorteil, zöge aber auch Unklarheit nach sich. Eine verbesserte Dokumentation müsse daher Abhilfe schaffen, denn eine klare Abgrenzung der jeweiligen Leistungsbereiche und -pflichten sei geboten. Derer gäbe es viele und entsprechend zahlreiche Risiken, so z. B. Planungsfehler, Hard- sowie Softwaremängel, Kompatibilitäsprobleme von Modelldaten, Urheberrechtsverstöße oder auch Datendiebstahl.

Die Haftung könne auch gemeinschaftlich ausfallen, wenn allen Beteiligten Pflichtverletzungen vorwerfbar seien oder ein Fehler vom Koordinator schuldhaft nicht erkannt würde. Die abschließende Empfehlung von Dr. Fehrenbach war es denn auch, in die besonderen Vertragsbedingungen (BVB) entsprechende BIM-Klausen aufzunehmen sowie über Projekt- bzw. Projektkostenversicherungen zu versuchen, das Risiko handhabbar zu machen.

Montag, 7. November 2016

Ein BIM-Projekt richtig aufsetzen

Unser Kollege Dr. Joaquín Ramírez Brey gab im Rahmen der „BIMconvention 2016“ einen Einblick in die interne Struktur von BIM-Projekten und stellte zunächst einmal die Unterschiede zu den HOAI-Leistungsphasen fest. Über den gesamten Planungsverlauf bis hin zum Gebäudebetrieb zöge sich die Nutzung des BIM-Modells. Das digitale Handwerk werde letztlich zum nutzbaren Produkt, was ein deutlicher Mehrwert sei. 

Allerdings gehe es bei BIM auch um eine Planungs- und Kommunikationskultur mit dem Ziel, die Transparenz der Prozesse zu erhöhen und damit Sicherheit zu erzielen. Aus Nutzer-Befragungen gehe hervor, dass die Vermeidung von Dokumentenfehlern und -auslassungen, weniger Nacharbeit und die Gewinnung bzw. Sicherung neuer Aufträge als besonders positiv eingeschätzt werde.

Die Ansiedelung des BIM-Managers könne direkt am Bauherren geschehen, bei der Projektsteuerung oder dem Generalplaner bzw. -unternehmer. Auch wäre eine Ergänzung mit BIM-Koordinatoren möglich. Letztlich sei die jeweilige Konstellation Ausdruck der internen Projektstrategie und gehöre in die Vorplanung. Auch BIM-Ziele und zugehörige Anwendungen müssten in diesem Zusammenhang entsprechend koordiniert werden.

Wichtig sei es, bereits in der Vorplanung einen BIM-Abwicklungsplan zu machen und auch, die Anforderungen des Projektes zu definieren. Ein solcher Plan bestehe in der Regel aus den Themen: Zieldefinition, Zuordnung von Anwendungen, Ablauf und einer Definition der Verantwortlichkeiten. Es sei hilfreich, zur Erstellung eine vorlaufende BIM-Analysephase zu haben, die Menschen, Prozesse, Technologien, Daten und Rahmenbedingungen ins Kalkül einbeziehen müsse.

In der abschließenden Fragerunde betone Dr. Joaquín Ramírez Brey unter anderem, dass der Detaillierungsgrad aus späteren Leistungsphasen deutlich nach vorn gelegt werde. Generalplaner benötigten oftmals BIM-Koordinatoren für jedes Gewerk über den Bau und Planungsprozess hinaus und der BIM-Manager spiele eine entscheidende Rolle. So sei er dafür verantwortlich, den kompletten Planungs- und Bauprozess sowie auch die Übergabe an den Betrieb aus digtialer Sicht effizient und störungsfrei zu bewerkstelligen.

Mittwoch, 2. November 2016

Ein Architekt reflektiert über BIM

Matthias Pfeifer ist Gesellschafter im bekannten Düsseldorfer Büro für Architektur+Städtebau „RKW“. Er hielt einen pointierten Vortrag im Rahmen der „BIMconvention 2016“ (BIMcon). Im Verband „BDA“ und auch in der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen ist er ebenfalls aktiv; ein Mann also, der aus der Praxis spricht.

Die grundsätzliche Unterscheidung von Planungsproduzent und -konsument diente Herrn Pfeifer als Einstieg und Brücke, um zu erklären, dass BIM keine Inhalte im Planungsprozess nach vorn verlagere, sondern lediglich ermögliche, spätere Leistungsphasen früher zu beauftragen. Die inhaltliche Tiefe (Level of Development oder auch LOD) im Planungsgeschehen sei der Maßstab und nicht der Zeitpunkt der Erbringung. In der Praxis werde das BIM-Modell meist nur bis zum Maßstab 1:50 detailliert, denn ergänzende 2D-Zeichnungen seien genauer.

Der Referent sah die BIM-Vorteile in der Transparenz, denn Informationen seinen leichter verständlich und auch systematisch verfüg- bzw. auswertbar. Das helfe, Fehler zu entdecken. Planung sei auch leichter zu ändern. Planungskonsumenten (Immobilien- und Bauwirtschaft) wiederum bekämen die Möglichkeit, Informationen weiter zu nutzen. Hier läge auch ein honorarrelevantes Arbeitsfeld, denn es stelle einen Wert dar, Informationen zu beschaffen, zuzuordnen und zu verantworten.

Pfeifer formulierte im letzten Drittel einige Kernthesen. So könne es bei der HOAI bleiben, denn BIM ließe sich leicht abbilden. Der Planer habe die Aufgabe, die Durcharbeitungstiefen zu bestimmen und es könnten bei Bedarf auch Detail-Tiefen (LOD) des BIM-Modells vertraglich fixiert werden. Einem Koordinationsmodell des Architekten käme hohe Bedeutung bei, denn es sei auch in Zukunft nicht davon auszugehen, mit einem einzigen Modell zu arbeiten.

Zu guter Letzt unterstrich der Referent, dass zusätzliches Honorar für Architekten nicht automatisch aus dem BIM-Planungsverfahren resultiere. Nur, wenn über den geschuldeten Werkerfolg hinausgehende Leistungen zu erfüllen seien, entstünde ein Anspruch – etwa bei: besonderer Detailtiefe, nicht planungsgetriebenen Modellanforderungen, der Integration anderer Modelle oder auch Sonderwünschen der Planungskonsumenten.

BIM-Potential für das Facility Management

Marko Bussat vertrat bei der „BIMcon 2016“ die Firma „Bauakademie“ aus Berlin. Er hielt einen detailreichen Vortrag über die Anforderungen, die das Facility Management (FM) an die BIM-Methodik stellt.

Zunächst klärte der Referent, dass es neben einer Immobilien- auch eine Bewirtschaftungsstrategie gibt und beide wiederum in jeweilige Unternehmensziele eingebettet sind. 10-15 % der Gebäudekosten würden über dessen Errichtung entstehen und 80 % aller Aufwendungen im laufenden Betrieb. Hier sei eine Kurskorrektur angebracht, denn BIM konzentriere sich bislang fast nur auf das Modellieren und nicht auf die Nutzungsbelange.

Die Grundsätze der Immobilienbewirtschaftung wurden im Anschluss in den Schritten Risikosteuerung im Lebenszyklus und Wege der Immobilienrenditen besprochen. Bussat ging in der Folge auf die Schnittstellen ein, die das FM braucht. So seien die hauptsächlich abzubildenden Themen: Support- und Objekt-Management, Dienstleistungssteuerung und die sog. Facility Services.

Das zweite Drittel der Redezeit nahm die Vorstellung eines „Baumonitors“ ein, der einzelne Maßnahmen überwachen helfe, aber auch die Gesamtübersicht gewährleiste. Tagesaktuelle Kosten, Finanzierungsunter- oder -überdeckungen und außerplanmäßige Bedarfe seien abbildbar. Die Dokumentenverwaltung und damit im Zusammenhang die Beschleunigung von Genehmigungsprozessen falle leichter. Einige Fallbeispiele halfen gegen Ende dieses Blockes, die komplexen Inhalte nachzuvollziehen.

Nachfragen gab es reichlich. Hier die wichtigsten Antworten. Die durchgängige (!) Berücksichtigung von FM-Belangen während der Planungsphase sei wichtig. Der Aktualität von Informationen und deren Referenzierung bzw. Verknüpfung komme hohe Bedeutung bei. Das Facility Management müsse noch stärker in das Bewusstsein der Bauherren gelangen. Das könne geschehen, wenn FM Teil der Gebäudezertifizierung würde. Gängige Schnittstellen von FM und BIM seien derzeit in der Entwicklung oder auch Datenbanklösungen in der Erprobung.

Mittwoch, 12. Oktober 2016

BIM für Alle? Wo bleiben Standards und Normen?

Die „BIMconvention 2016“ (BIMcon) ist vor rund einem Monat über die Bühne gegangen – erfolgreich, wie ich meine. Viele kundige Referenten sprachen über Building Information Modeling und warfen dabei nicht selten überraschende Perspektiven. Die Höhepunkte der BIMcon werde ich in einer kleinen Reihe vorstellen und beginne mit dem Vortrag von Dr. Jan Tulke, dem Geschäftsführer von „planen-bauen 4.0“.

Um Normung und Standardisierung in Bezug auf BIM kreisten seine Überlegungen und zu Beginn stellte der Referent die Arbeit der „EU Taskgroup BIM“ vor. Viele Teilnehmer seien derzeit damit befasst, bis 2020 den digitalen Planungssektor zu entwickeln und zu einem offenen, transparenten und fairen europäischen Wachstumsmarkt zu machen. Niederschläge in Deutschland fänden sich im 10-Punkte-Aktionsplan der „Reformkommission Großprojekte“. Hier steht BIM an Nummer 1 und tatsächlich verfolgt das Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur mittlerweile einen BIM-Stufenplan, der 2020 sein Ziel erreicht haben soll, so Tulke.

Auch die Bemühungen um europäische Normierung laufen bereits, wie Dr. Tulke aufzeigte. Die Britten hätten die Federführung auf internationaler wie europäischer Ebene und die Franzosen zeichneten Verantwortlich für die Umsetzung in europäische Regelwerke. In Deutschland würden derzeit die diesbezüglichen Ergebnisse in neue DIN-Normen, u. a. die DIN SPEC 91400, umgesetzt.

Bei der Standardisierung helfe nach wie vor die „IFC-Schnittstelle“, die seinerzeit unter der Ägide von „building SMART“ entstanden war. Das neue Format mache bekanntlich den plattformübergreifenden Austausch von Objekten möglich. Mit „Interlink“ stünde eine europäische Objekttypenbibliothek für den Straßenbau zur Verfügung. Die deutsche „Koordinierungsstelle für IT-Standards“ wiederum arbeite an der Vereinheitlichung der digitalen Modelle. Dr. Tulke stellte noch weitere Initiativen vor, die das Ziel verfolgen, die softwareunabhängige Zusammenarbeit zu vereinfachen.

Die Zuhörer interessierte im Anschluss u. a., ob die britischen Standards 1:1 auf Deutschland übertragbar sind, wie die Softwarehersteller derzeit agieren, ob nur Großprojekte BIM-tauglich sind oder wer die Kontrolle über die Daten behält. Am Schluss der Fragerunde macht Dr. Tulke klar, dass es um Standardisierung von Methoden geht und BIM-Objekte nicht schutzbedürftig sind. In Bezug zum Urheberrechtsschutz sei also der Unterschied zwischen Plänen sowie Bauwerk zu bedenken und hier müsse der Gesetzgeber noch handeln.

Sonntag, 11. September 2016

Digitalisierung ja, aber mit Augenmaß

Die Unternehmensberatung "Roland Berger" gab in diesem Sommer die Broschüre heraus: "Digitalisierung der Bauwirtschaft. Der europäische Weg zu Construction 4.0". Die Abhandlung beginnt apodiktisch mit der Aussage, dass es keine Alternative zur Digitalisierung gebe. Nun ja, es gibt immer und stets Alternativen, würde ich eher sagen. Die Frage lautet viel eher: Was will man erreichen?

"Digitale Daten, digitaler Zugang, Automation sowie Netzwerke" sind den Studienverfassern die Garanten für Wachstum und Produktivitätssteigerung der Baubranche. Richtig angewandt im Sinne einer "digitaler Transformation" übe jede der vier Stufen positiven Einfluss auf die Wertschöpfung aus. Dieser Vorüberlegung gab auch die Grundlage zur Befragung von "Akteuren", wobei nähere Angaben hierzu fehlen. Das Thema "Produktion/Bauausführung" habe bei den Umfrageteilnehmern das meiste Digitalisierungspotential – gefolgt von „Logistik, After Sales, Vertrieb/Marketing und Beschaffung“.

Im Anschluss werden Beispiele referiert, die digitales Potential aufweisen; als da wären: elektronische Ausschreibung, Materialbeschaffung über virtuelle Plattformen, intelligente Baustellenlogistik, Einsatz von Drohnen und Robotern, digitale Produktion der zahlreichen  Bauzulieferer, Vertrieb und Vertriebskommunikation am Beispiel des E-Commerce und Building Information Modeling.

Im Fazit wiederholen die Studienverantwortlichen, dass die Digitalisierung unvermeidlich sei und den Unternehmen nichts anders bliebe, als sich darum zu kümmern, denn es drohten Auftragsverluste und Wachstumsbremse. Eine Botschaft also, die sich als roter Faden durch die Broschüre zieht und meiner Meinung nach die kritischen Reflexion eines jeden Lesers verdient. Denn: Nicht jedes Unternehmen sollte nun in Angst und Schrecken fallen. Vielmehr kommt es auf genau abgestimmte Lösungen an. Mein Haltung dazu ist also: Digitalisierung ja, aber mit Augenmaß.

Link zur Broschüre:

https://www.rolandberger.com/de/press/Press-Release-Details_9668.html

Mittwoch, 24. August 2016

BIM trifft ABM (Additive Building Manufacturing)

Neuerungen entstehen oftmals durch die Kombination vorhandener Verfahren und Anwendungen - so geschehen jüngst an der Universität Bath. Dort zählte man fliegende Bauroboter-, Laserscanning- und 3D-Drucktechnologie zusammen und bekam dabei das "Additive Building Manufacturing" (ABM) heraus.

Fortan sollte es nach dem Forscherwillen möglich sein, dass Flugdrohnenkollektive beliebige Gelände überfliegen, abtasten, im Anschluss selbstständig ein digitales Gebäudedatenmodell (BIM) erstellen und Bauteile oder auch komplette Unterkünfte ausdrucken.

Architekten können (noch?) ruhig Blut bewahren, denn solcher Einsatz ist derzeit nur für Katastrophenszenarien sinnvoll. So spielen weder Behaglichkeit noch Ästhetik Rollen für die Baudrohnen. Vielmehr geht es beim ABM um Grundsätzliches, also Ingenieurkonstruktionen oder schnell bezugsfertige Rettungskapseln.

Als bloße Science Fiction sollte ABM aber nicht abgetan werden. Beindruckende Beispiele für Baudrohnen finden sich auch bei der ETH Zürich. Das "Institut für Robotik und Intelligente Systeme" lies z. B. Roboter mittels Seilen eine Hängebrücke herstellen. Faszinierend und ein bisschen beängstigend gleichzeitig ist es auch, die fliegenden Blechkameraden beim Aufmauen zu beobachten. Ein Projekt, das die Hochschule seinerzeit mit "Gramazio & Kohler" und "Raffaello d'Andrea" realisierte.

Links:
Mauer: https://vimeo.com/33713231
Seilbrücke: https://m.youtube.com/watch?v=rgOb8AdFnQU

Samstag, 13. August 2016

Was heißt „Smart City“?

Kürzlich kam mir eine interessante Broschüre unter die Augen: „Smart Cities International. Strategien, Strukturen und Pilotvorhaben“ ist sie betitelt. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt-, und Raumforschung gibt den Text heraus, der sich mit der Digitalisierung städtischer Prozesse befasst.

Eine „Smart-City-Charta“ für Deutschland haben die Autoren im Blick und streifen u.a. die Themen Handel, Verkehr, Wissen, Virtualität, Science Fiction und Medien. Eines wird sofort klar: Stadt wird nicht dem Zufall überlassen, denn Strategien für Klima, Verkehr, Mobilität, Verwaltungsmodernisierung, öffentliche Sicherheit und Bürgerbeteiligungen sind im planungspolitischen Blick.

Gut finde ich, dass schon im Vorwort auch kritische Aspekte der Digitalisierung ausgeleuchtet werden, so z. B. Zugriffe/Überwachung auf Haushalts- und Individualebene, Dominanz wirtschaftlicher Interessen oder auch die Gefahr, dass geschlossene Systeme ggf. Entwicklung bzw. ungeplante Einflüsse verhindern können. Auch das „[...] Sammeln, Aggregieren und Auswerten von Informationen das Herzstück aller Smart-City-Strategien“ wird thematisiert und angemahnt, dass eminent wichtig ist, „[...] wer die Daten bewahrt und interpretiert.“ (S. 9)

Ab S. 24 werden europäische Beispiele von „Smart Cities“ genannt, so. u. a. die Entwicklungen in Wien. Die dortigen Prämissen der digitalen Strategie schlagen sich in den Arbeitsfeldern „Personennahverkehr, E-Mobilität- und -Government, nachhaltigere Energiegewinnung, Schaffung von bezahlbarem Wohnraum und Entwicklung der Seestadt Aspern als Ort der Innovation“ nieder.

Allerdings ist Digitalisierung nur als Mittel zum Zweck verstanden – so sollte es immer sein, wie ich finde, damit es nicht zu den o.g. Problemen selbstreferenzieller Systeme kommt. Interessant ist auch, dass ein städtisches Tochterunternehmen die Prozesse koordiniert und  von außen Stadtverwaltung, Forschung, Wirtschaft und Industrie vernetzt. Die Bürger werden u.a. mittels sozialer Medien und Onlinebefragungen eingebunden.

Link zur Broschüre:
http://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/Veroeffentlichungen/Sonderveroeffentlichungen/2015/smart-cities-dl.pdf;jsessionid=40B84733812CB096ACFBA1519AD2DD5E.live11294?__blob=publicationFile&v=4

Montag, 1. August 2016

„digitalHUB Aachen“ – die Bedeutung der Digitalisierung

Im Frühsommer hatte ich über das Bewerbungsverfahren zum „digitalHUB der Region Aachen“ berichtet. Nun ist es entschieden – unsere Stadt wird neben Bonn, Düsseldorf, Köln, Münster und dem Ruhrgebiet zu einem „digitalen Leuchtturm“ in Nordrhein-Westfalen.

Wie auch immer man darüber denken mag, das globalisierte Leben in den westlich geprägten Industrienationen ist zunehmend von Digitalisierung bestimmt. 70 % aller wirtschaftlichen Innovationen der EU innerhalb der letzten fünf Jahre standen mit Informationstechnologie in Verbindung! Und auch Building Information Modeling ist ohne Digitalisierung unmöglich, denn die vielen Informationen zur Planung und Realisierung eines Bauwerkes sind im 3D-Modell ausschließlich virtuell vorhanden.

Durch die Zusammenarbeit innerhalb des „Cluster Smart Logistik“ der RWTH Aachen sind wir bestens über die Potentiale digitaler Geschäftsmodelle im Bilde. Das Vereinsziel, den Markt „Kunde zu Kunde“ (B2B) zu besetzen und damit die Verbindung „Industrieproduktion-Innovation-Vorsprung“ in Deutschland und in Europa zu sichern, ist uns daher nicht fremd und wir freuen und auf dem Beginn der Arbeit.

Links zum Thema "digitalHUB" in NRW und Aachen:

www.digitalewirtschaft.nrw.de
www.aachendigitalisiert.de/

Donnerstag, 16. Juni 2016

Wie viel Zeit kostet die Arbeit mit BIM?

Kürzlich kursierte ein Blog-Beitrag (siehe Link unten) bei uns. Er bezog sich auf die zu erwartenden Zeitbedarfe beim Einsatz vom BIM. Ich möchte Ihnen die Quintessenz nicht vorenthalten.

Der herkömmliche 2D CAD-Arbeitsprozess verschlingt am meisten Zeit während der Projektdokumentation und weniger bei der Konstruktionsphase. Bei dem BIM-Verfahren hingegen verschiebt sich der Aufwand in den Planungsprozess und schmilzt in der Dokumentation erheblich zusammen. In einer idealtypischen Annahme spart BIM dabei rund 30% der Zeit ein.

Ganz wichtig ist jedoch der Einsatz von Projektvorlagen, denn bezogen auf herkömmlichen CAD-Einsatz mit 100 %, spart BIM mit Vorlagen 50% der Gesamtzeit ein, ohne aber nur 10%. Die Erstellung der entsprechenden Vorlagen nimmt im statistischen Mittel rund 33% der Projekt-Bearbeitungszeit ein. Die Vorlagen sollten also sehr genau sein und so oft wie möglich genutzt werden, damit bei Folgeprojekten dieser Zeitaufwand entfallen kann.

Link zum Blogbeitrag:
http://www.shoegnome.com/2015/12/09/bim-still-bankrupting-firm/



DigitalHUB NRW: Bauarbeiten am digitalen Leuchtturm


„Die Grenzen zwischen virtueller und realer Welt verschwimmen.“ So wird es oft etwas überspitzt formuliert. Ob man wirklich von einem Verschwimmen sprechen kann sei dahingestellt, aber was in den letzten Jahren klar wird ist, dass reale und virtuelle Welten sich immer stärker überlagern und gegenseitig beeinflussen.

Davon ist natürlich auch die Baubrache betroffen, so ist der Architektenarbeitsplatz von heute ganz selbstverständlich ein Computerarbeitsplatz. Dieses Werkzeug eröffnet der Kommunikation innerhalb von Planungsprozessen sehr gute Möglichkeiten, Informationen möglichst jederzeit und für alle Beteiligten verfügbar zu haben.

Die Digitalisierung ist in diesem Zusammenhang unverzichtbar und formitas ist auch seit Jahren in dieser „Mission“ unterwegs. Deshalb war es uns auch eine Herzensangelegenheit, das Crowdfunding der „Initiative Aachen“ zu unterstützen, die nun die nötigen 1,5 Millionen € Eigenmittel zusammengebracht hat.

Rund 100 Unternehmer und Organisationen hatten Beiträge geleistet, um die Region Aachen zu einem starken Ort auf der digitalen Landkarte Nordrhein-Westfalens zu machen. Der „digitalHUB der Region Aachen“ wird im besten Fall einer der fünf „Leuchttürme der Digitalisierung“ in unserem Bundesland werden.

Wenn das gelingt, bekommen wir noch einmal 1,5 Millionen dazu. Drücken Sie mit mir zusammen die Daumen!

Link zur Meldung im Bundesverband IT Mittelstand e.V.
http://www.bitmi.de/php/evewa2.php?menu=019901&newsid=2969

Freitag, 27. Mai 2016

BIM und die Baustelle

Wie wäre es, in Echtzeit einen permanenten Abgleich zwischen Baufortschritt und Planungsstand zu haben? Nun, man könnte Zeitpläne besser nachhalten, Material- und Personalströme optimieren, spezielle Ausrüstung und Maschinen punktgenau einsetzen, logistische Kapazitäten kosteneffizient planen und viele Probleme beseitigen, bevor sie sich auswachsen.

Zukunftsmusik ist das nicht mehr, wie ich einem Artikel in DETAIL Research entnehmen konnte (siehe Link unten). Prof. Borrmann von der TU München forscht daran, Live-Daten mittels Video, GPS-Tracking, RFID-Chips, elektronischen Bautagebüchern, Maschinendaten,  Photogrammetrie, Telematik oder Punktwolken aus Laserscanning mit dem BIM-Modell abzugleichen. Solche Analyseverfahren liefern Rohdaten, die über Schnittstellen integrierbar werden.

Eine Herausforderung ist allerdings noch die visuelle Datengewinnung, denn wenn Teile der Baustelle nicht einsehbar sind, kann z.B. eine 3D-Punktwolke nicht die reale Situation erfassen, was z.B. bei der Baufortschrittsdokumentation hinderlich ist. In der intelligenten Auswertung und Zusammenführung der Daten liege der Schlüssel zum Erfolg, so Borrmann.

Wieder einmal ein spannendes Feld, in dem BIM sein Potential zeigt. Nicht nur in der Planungs- und Nutzungsphase, sondern auch während der Realisierung bleibt das Modell die beste Referenzgröße für ein effizient zu errichtendes Bauwerk.

Link zum Artikel: Die digitale Baustelle:
http://www.detail.de/artikel/die-digitale-baustelle-26725

Mittwoch, 18. Mai 2016

BIM im Industriebau

Die Zusammenarbeit auf dem RWTH Campus Melaten trägt Früchte, so freue ich mich ganz besonders über die Anfrage, am 2. Juni vor Studenten des Werkzeugmaschinenlabors (WZL) einen begleitenden Vortrag zu halten. Er schließt sich an eine Vorlesung an, in dessen Verlauf Professor Trautz über Industriebau und Gebäudeplanung referieren wird.

Vor allem zur ersten Hälfte seiner Inhalte kann ich einiges beisteuern, denn es wird um die Planungsbeteiligten gehen und auch um äußere wie innere Einflussfaktoren im Bauprozess bzw. in Bezug auf das Gebäude.

Die idealtypische Abwicklung in neun Leistungsphasen gilt grundsätzlich auch im Fabrikbau, allerdings ist dieser durch hohe Komplexität gekennzeichnet. Komplex sind nicht nur die speziellen technischen Anlagen, sondern auch die zu berücksichtigenden Expertisen der mitunter zahlreich vertretenden Fachingenieure. Hier muss das Augenmerk auf einer möglichst störungsarmen Kommunikation liegen.

BIM ist prädestiniert, das zu leisten. Fabrikplanungs-Parameter wie Standort, Struktur (Nutzung, Prozess, Organisation etc.), System, Komponenten, Elemente und die Welt des Architekten mit Belangen wie Produktionsnetz, Werk, Gebäude, Segment, Raum, Arbeitsplatz etc. finden in einem intuitiv zugänglichen Modell ihre Plätze. Jeder am Planungsprozess Beteiligte sieht und be-greift (ganz wörtlich mit Virtual Reality) was, wann, wie, wo geschieht.

Auch künftige Wachstums- oder Schrumpfungsphasen stellen zu berücksichtigende Einflussgrößen dar. Sie finden ebenfalls mittels BIM erschöpfende sowie für alle transparente Darstellung, sodass auch ganze Nutzungszyklen von Gebäuden, Maschinen, Materialien oder Veränderungen in der Belegschaft räumlich, baulich oder monetär darstellbar werden.

Dienstag, 17. Mai 2016

BIM, Parametrik und die architektonische Formfindung


Wissen Sie, wann ein Entwurf „performancebasiert“ ist? Sehen wir über diesen sprachlichen Unfall hinweg, entpuppt sich das Thema dahinter als interessant. Es geht nämlich darum, an das Bauwerk gestellte Anforderungen (eben Performances) optimal zu erfüllen. Diese Parameter können zahlreich sein und zielen durchaus auf die harten Fakten des Bauen, also die Materialien oder auch die Gestalt.

Leitidee ist, dass nicht mehr nur die ästhetisch-atmosphärische Arbeit des Architekten Einfluss auf die Gebäudeform nimmt, sondern diese auch den Anforderungen geschuldet ist - z.B. der Energieeffizienz, für die „performancebasiertes“ Entwerfen zumeist eingesetzt wird. Es geht hier also um ganzheitliche Architekturplanung, in der Lüftung, Feuchte, Licht, Wärme, Akustik, Statik, Materialien etc. bestimmte Gebäudeformen plausibel machen. Plausibel meint hier auch kontrollierbar während des Bauens und in der Nutzungsphase.

Es ist klar, dass BIM hier seine Vorteil voll ausspielt, denn im virtuellen Modell können sämtliche Parameter gegen den Architekturentwurf laufen, bis alle Öffnungen, Schrägen, Luftvolumen, Dachflächen, Belichtungstiefen, Dämmungsdicken, Haus- und Anlagentechniken, Layouts, Grundrisse, Glasflächen oder eingesetzte Baumaterialien dem Nachhaltigkeitsoptimum möglichst weit angenähert sind.

Es ist wichtig, dass der Architekt hier nicht die Flinte ins Korn wirft, sondern „performancebasierte“ Einflussgrößen konstruktiv nutzt. Der Rechenmaschine nebst Programmen soll nicht die alleinige Kontrolle über das Gebäude in die "Hände" fallen. Es ist eher ein Dialog, in dessen Verlauf dem Planer die Konsequenzen seiner Entscheidungen verdeutlicht werden.

Montag, 18. April 2016

Zum Stichwort BIM-Skepsis

Vielleicht haben Sie es ja schon gelesen: unser Land hinkt in Sachen BIM im europäischen Vergleich ein wenig hinterher. Sonderbar, gilt Deutschland doch als Hochtechnologienation und beweist seine Wirtschaftskraft über die gewaltigen Exporte in alle Welt.

Hier einige Zahlen, die ich aus einem Artikel entnommen habe (den zugehörigen Link finden Sie am Ende): 1.600 Architekten in acht europäischen Nationen äußerten sich – allerdings ist nicht klar, in welchen quantitativen Verhältnissen Vertreter der jeweiligen Länder befragt wurden. Die Niederländer haben in der abgebildeten Statistik deutlich die Nase vorn, über die Hälfte der Befragten nutzt BIM und knapp 40 % sind darüber hinaus schon damit in Berührung gekommen. Nur 7 % wollen die neue Methode nicht anwenden. Dieses Verhältnis stellt sich in Deutschland anders da. Hier haben nur 15 % Erfahrung und 41 % lehnen BIM ab. Immerhin 45 zusätzlichen Prozent ist BIM ein Begriff.

Woher kommt die Skepsis? Nun, ein Faktor ist sicherlich die Branche. Sie ist konservativ und es geht nicht zuletzt auch um Verantwortung und Haftung. Neuerungen haben es da naturgemäß immer etwas schwerer. Das Bauplanungsgeschäft ist komplex und lässt sich nicht wie ein Massenprodukt (etwa ein Auto) handhaben bzw. exportieren. Zwar gibt es mittlerweile auch Architekturen von der Stange, aber die Regel ist das nicht. Soll heißen, dass jedes Bauwerk dem jeweiligen Zweck folgt und daher zumeist individuell und einzigartig ist – eben wie ein Maßanzug gefertigt werden muss. Dass BIM gerade hier seine Vorteile ausspielt, ist manchen Planern möglicherweise noch nicht klar.

Im Text werden noch andere Vorbehalte genannt: hoher Zeitaufwand zur Einarbeitung der Belegschaft und auch zur Koordination der Fachplaner im laufenden Prozess. Ebenfalls sind hohe Implementierungskosten gefürchtet. Diese Sorgen könnte man entkräften, denn als Faustformel gilt, dass das BIM-Projekt mit einer Zeitersparnis von 30 % des Konstruktionsaufwandes abgewickelt werden kann. Damit senken sich natürlich auch die Kosten. Die Implementierung und die Einarbeitung von Mitarbeitern sind einmalige Investitionen und amortisieren sich zügig. Zuletzt wiederhole ich noch einmal gern, dass die Komplexität des Planungsgeschäfts mit der neuen Methode einfacher zu handhaben ist.

Artikel: „Großbritannien und die Niederlande haben bei BIM die Nase vorn“
http://www.baulinks.de/bausoftware/2016/0024.php4









Montag, 4. April 2016

BIM – eine Zauberformel?


Die Veranstalter des Doppelkongresses „Powerbuilding/Datacenter Convention“, der am 11. und 12. Mai in Köln stattfinden wird, schreiben BIM eine zentrale Rolle zu, um die lange vermisste Effizienz in der Bauplanung zu erreichen. Die Potenziale einer tatsächlichen (!) integralen Planung kommen bei hochinstallierten Gebäuden wie z.B. Rechenzentren oder Krankenhäusern auch besonders deutlich zum Vorschein – müssen hier doch zahlreiche Fachplaner mit unterschiedlichsten Schwerpunkten koordiniert werden.

Ich freue mich ganz besonders über die Einladung, in Köln aus dem BIM-Nähkästchen zu plaudern, denn die Ko-Referenten sind spannend wie hochkarätig. Mein Fokus wird darauf liegen, eine integrale TGA-Planung vorzustellen und Möglichkeiten zu zeigen, die Belange des Facility Management frühzeitig in den Planungsprozess zu integrieren. Besonders am Herzen liegt mir auch, Virtual Reality als handfestes Arbeits-Werkzeug für Architekten zu präsentieren.

Vielleicht ist Ihnen in letzter Zeit der Begriff „disruptive Technologie“ untergekommen. Im Gegensatz zur sukzessiven Weiterentwicklung markiert die Disruption eine Unterbrechung im Geschehen. Die Veranstalter des Kongresses ordnen BIM in diesen Kontext ein. Wenn ich darüber nachdenke, könnte das richtig sein, denn BIM scheint tatsächlich das Ende des bisherigen CAD-Weges zu markieren. Für sich genommen steht die neue Methode auf wackligen Füßen, sie braucht also eine Trägertechnologie, die sie allerdings unterbricht. Dabei eröffnet BIM aber gleichzeitig neue Horizonte. Was denken Sie?

Hier der Link zum Kongress: „PowerBuilding & Data Center Convention“:

http://www.powerbuilding.eu/pages/pbuilding-dcc/koeln-2016.php

Montag, 21. März 2016

BIM trifft Geodäsie: Sommer-Seminar an der Hochschule Bochum

Die Vermessung der Erde ist eine uralte Kulturtechnik. In Europa war bereits Pythagoras ca. 500 v. Chr. damit befasst, Land zu bestimmen und aufzuteilen. Standen ihm in jener Zeit dafür Maßband und Schnurlot zur Verfügung, so können die heutigen Geodäten auf modernste Rechnertechnik zurückgreifen.

Die aktuelle Bauvermessung stützt sich auf Laserscanning ab, d.h., dass eine hochaufgelöste Punktwolke die Begrenzungen einer bestimmten Umgebung abbildet. Das zugehörige Datenmodell ist auch in BIM-Software importierbar. Reichlich Gebrauch machen davon z.B. Architekturbüros, die sich mit Umnutzung von Bestandsgebäuden beschäftigen, denn ein Aufmaß gelingt sehr viel schneller und genauer.

Aber auch für die algorithmische Planung ist Geodäsie auf Basis von Laserscanning hochinteressant, denn topographische Merkmale sind wichtige Richtgrößen, die einen parametrisierten Gebäudeentwurf mitbestimmen. Ein spannendes Thema also und wie gemacht, um einen Praxisvortrag in diesem Kontext zu halten.

Faltblatt:
"150. DVW-Seminar: Building Information Modeling (BIM) und 3D-Geoinformation":

http://www.dvw.de/sites/default/files/news_termine/dateianhang/2016/Flyer_Sem_150_BIM-und-3D.pdf

Dienstag, 15. März 2016

Virtuelle Realität und der Aachener Immobilien-Dialog (19. Mai 2016)

Es ist eine spannende Zeit für die Bauplaner; vor allem hier in Aachen. Durch eine weitsichtige Politik der Verantwortlichen entfaltete sich in den vergangenen Jahren eine rege Bautätigkeit – Stadt wie Region florieren. Gut auch für das Thema "Building Information Modeling", denn wo viel gebaut wird, gibt es auch die Suche nach Innovationen in diesem Zusammenhang.

Dienstag, 2. Februar 2016

Einladungen nach München und Düsseldorf

BIM brummt! Immer mehr Entscheider wollen sich mit der neuen Methodik auseinandersetzen. Ich stelle das jeden Tag fest, denn bei uns steht das Telefon nur noch selten still. Ich freue mich über diese Taktfrequenz und nehme gern zwei Einladungen an.

Am 16. Februar werde ich zunächst in Düsseldorf sein. Es wird dort einen Erfahrungsaustausch über die Digitalisierung der Baubranche geben. 15 Minuten Redezeit und ein Platz auf dem Schluss-Podium ... sportlich ... aber ich freue mich! Eine gute Chance, die Leistungsfähigkeit von BIM anhand eines ambitionierten Gebäudes vorzustellen. Es gilt nämlich, das „Center for Digital Photonic Production“ (CDPP) auf dem Campus Melaten in Aachen virtuell aus der Taufe zu heben. Natürlich nutzen wir auch die Chance, die Teilnehmer mit Hilfe der Oculus Rift in die Virtuelle Realität eintauchen zu lassen.

Nach München führt mich eine Einladung zwei Tage später - 18. Februar. Der bayerische Bauindustrieverband hält das „Digitalisierungsforum 2016“ ab. Komfortable 30 Minuten lang kann ich versuchen, die Vorzüge eines Gebäudelebenszyklus darzustellen, der digital begleitet wird, wobei hiermit auch der spätere Gebäudebetrieb (Facility Management) im Fokus ist. Das dreidimensionale BIM-Modell ist als Art Schatten organisch mit dem Gebäude verbunden und begleitet es – wie im richtigen Leben – von der Taufe bis zur Bahre.