Freitag, 27. Mai 2016

BIM und die Baustelle

Wie wäre es, in Echtzeit einen permanenten Abgleich zwischen Baufortschritt und Planungsstand zu haben? Nun, man könnte Zeitpläne besser nachhalten, Material- und Personalströme optimieren, spezielle Ausrüstung und Maschinen punktgenau einsetzen, logistische Kapazitäten kosteneffizient planen und viele Probleme beseitigen, bevor sie sich auswachsen.

Zukunftsmusik ist das nicht mehr, wie ich einem Artikel in DETAIL Research entnehmen konnte (siehe Link unten). Prof. Borrmann von der TU München forscht daran, Live-Daten mittels Video, GPS-Tracking, RFID-Chips, elektronischen Bautagebüchern, Maschinendaten,  Photogrammetrie, Telematik oder Punktwolken aus Laserscanning mit dem BIM-Modell abzugleichen. Solche Analyseverfahren liefern Rohdaten, die über Schnittstellen integrierbar werden.

Eine Herausforderung ist allerdings noch die visuelle Datengewinnung, denn wenn Teile der Baustelle nicht einsehbar sind, kann z.B. eine 3D-Punktwolke nicht die reale Situation erfassen, was z.B. bei der Baufortschrittsdokumentation hinderlich ist. In der intelligenten Auswertung und Zusammenführung der Daten liege der Schlüssel zum Erfolg, so Borrmann.

Wieder einmal ein spannendes Feld, in dem BIM sein Potential zeigt. Nicht nur in der Planungs- und Nutzungsphase, sondern auch während der Realisierung bleibt das Modell die beste Referenzgröße für ein effizient zu errichtendes Bauwerk.

Link zum Artikel: Die digitale Baustelle:
http://www.detail.de/artikel/die-digitale-baustelle-26725

Mittwoch, 18. Mai 2016

BIM im Industriebau

Die Zusammenarbeit auf dem RWTH Campus Melaten trägt Früchte, so freue ich mich ganz besonders über die Anfrage, am 2. Juni vor Studenten des Werkzeugmaschinenlabors (WZL) einen begleitenden Vortrag zu halten. Er schließt sich an eine Vorlesung an, in dessen Verlauf Professor Trautz über Industriebau und Gebäudeplanung referieren wird.

Vor allem zur ersten Hälfte seiner Inhalte kann ich einiges beisteuern, denn es wird um die Planungsbeteiligten gehen und auch um äußere wie innere Einflussfaktoren im Bauprozess bzw. in Bezug auf das Gebäude.

Die idealtypische Abwicklung in neun Leistungsphasen gilt grundsätzlich auch im Fabrikbau, allerdings ist dieser durch hohe Komplexität gekennzeichnet. Komplex sind nicht nur die speziellen technischen Anlagen, sondern auch die zu berücksichtigenden Expertisen der mitunter zahlreich vertretenden Fachingenieure. Hier muss das Augenmerk auf einer möglichst störungsarmen Kommunikation liegen.

BIM ist prädestiniert, das zu leisten. Fabrikplanungs-Parameter wie Standort, Struktur (Nutzung, Prozess, Organisation etc.), System, Komponenten, Elemente und die Welt des Architekten mit Belangen wie Produktionsnetz, Werk, Gebäude, Segment, Raum, Arbeitsplatz etc. finden in einem intuitiv zugänglichen Modell ihre Plätze. Jeder am Planungsprozess Beteiligte sieht und be-greift (ganz wörtlich mit Virtual Reality) was, wann, wie, wo geschieht.

Auch künftige Wachstums- oder Schrumpfungsphasen stellen zu berücksichtigende Einflussgrößen dar. Sie finden ebenfalls mittels BIM erschöpfende sowie für alle transparente Darstellung, sodass auch ganze Nutzungszyklen von Gebäuden, Maschinen, Materialien oder Veränderungen in der Belegschaft räumlich, baulich oder monetär darstellbar werden.

Dienstag, 17. Mai 2016

BIM, Parametrik und die architektonische Formfindung


Wissen Sie, wann ein Entwurf „performancebasiert“ ist? Sehen wir über diesen sprachlichen Unfall hinweg, entpuppt sich das Thema dahinter als interessant. Es geht nämlich darum, an das Bauwerk gestellte Anforderungen (eben Performances) optimal zu erfüllen. Diese Parameter können zahlreich sein und zielen durchaus auf die harten Fakten des Bauen, also die Materialien oder auch die Gestalt.

Leitidee ist, dass nicht mehr nur die ästhetisch-atmosphärische Arbeit des Architekten Einfluss auf die Gebäudeform nimmt, sondern diese auch den Anforderungen geschuldet ist - z.B. der Energieeffizienz, für die „performancebasiertes“ Entwerfen zumeist eingesetzt wird. Es geht hier also um ganzheitliche Architekturplanung, in der Lüftung, Feuchte, Licht, Wärme, Akustik, Statik, Materialien etc. bestimmte Gebäudeformen plausibel machen. Plausibel meint hier auch kontrollierbar während des Bauens und in der Nutzungsphase.

Es ist klar, dass BIM hier seine Vorteil voll ausspielt, denn im virtuellen Modell können sämtliche Parameter gegen den Architekturentwurf laufen, bis alle Öffnungen, Schrägen, Luftvolumen, Dachflächen, Belichtungstiefen, Dämmungsdicken, Haus- und Anlagentechniken, Layouts, Grundrisse, Glasflächen oder eingesetzte Baumaterialien dem Nachhaltigkeitsoptimum möglichst weit angenähert sind.

Es ist wichtig, dass der Architekt hier nicht die Flinte ins Korn wirft, sondern „performancebasierte“ Einflussgrößen konstruktiv nutzt. Der Rechenmaschine nebst Programmen soll nicht die alleinige Kontrolle über das Gebäude in die "Hände" fallen. Es ist eher ein Dialog, in dessen Verlauf dem Planer die Konsequenzen seiner Entscheidungen verdeutlicht werden.