Mittwoch, 12. Oktober 2016

BIM für Alle? Wo bleiben Standards und Normen?

Die „BIMconvention 2016“ (BIMcon) ist vor rund einem Monat über die Bühne gegangen – erfolgreich, wie ich meine. Viele kundige Referenten sprachen über Building Information Modeling und warfen dabei nicht selten überraschende Perspektiven. Die Höhepunkte der BIMcon werde ich in einer kleinen Reihe vorstellen und beginne mit dem Vortrag von Dr. Jan Tulke, dem Geschäftsführer von „planen-bauen 4.0“.

Um Normung und Standardisierung in Bezug auf BIM kreisten seine Überlegungen und zu Beginn stellte der Referent die Arbeit der „EU Taskgroup BIM“ vor. Viele Teilnehmer seien derzeit damit befasst, bis 2020 den digitalen Planungssektor zu entwickeln und zu einem offenen, transparenten und fairen europäischen Wachstumsmarkt zu machen. Niederschläge in Deutschland fänden sich im 10-Punkte-Aktionsplan der „Reformkommission Großprojekte“. Hier steht BIM an Nummer 1 und tatsächlich verfolgt das Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur mittlerweile einen BIM-Stufenplan, der 2020 sein Ziel erreicht haben soll, so Tulke.

Auch die Bemühungen um europäische Normierung laufen bereits, wie Dr. Tulke aufzeigte. Die Britten hätten die Federführung auf internationaler wie europäischer Ebene und die Franzosen zeichneten Verantwortlich für die Umsetzung in europäische Regelwerke. In Deutschland würden derzeit die diesbezüglichen Ergebnisse in neue DIN-Normen, u. a. die DIN SPEC 91400, umgesetzt.

Bei der Standardisierung helfe nach wie vor die „IFC-Schnittstelle“, die seinerzeit unter der Ägide von „building SMART“ entstanden war. Das neue Format mache bekanntlich den plattformübergreifenden Austausch von Objekten möglich. Mit „Interlink“ stünde eine europäische Objekttypenbibliothek für den Straßenbau zur Verfügung. Die deutsche „Koordinierungsstelle für IT-Standards“ wiederum arbeite an der Vereinheitlichung der digitalen Modelle. Dr. Tulke stellte noch weitere Initiativen vor, die das Ziel verfolgen, die softwareunabhängige Zusammenarbeit zu vereinfachen.

Die Zuhörer interessierte im Anschluss u. a., ob die britischen Standards 1:1 auf Deutschland übertragbar sind, wie die Softwarehersteller derzeit agieren, ob nur Großprojekte BIM-tauglich sind oder wer die Kontrolle über die Daten behält. Am Schluss der Fragerunde macht Dr. Tulke klar, dass es um Standardisierung von Methoden geht und BIM-Objekte nicht schutzbedürftig sind. In Bezug zum Urheberrechtsschutz sei also der Unterschied zwischen Plänen sowie Bauwerk zu bedenken und hier müsse der Gesetzgeber noch handeln.