Montag, 28. November 2016

BIM und Berufshaftpflicht

Steffen Lehmann ist Makler bei der UNITA-Versicherungsgruppe. Er ergänzte die „BIMconvention 2016“ mit einem Referat über eine BIM-konforme Berufshaftpflichtversicherung. Zunächst stellte er fest, dass die neue Planungsmethodik zum Berufsbild des Architekten gehöre und damit grundsätzlich versichert sei. Allerdings gestalte sich die Abgrenzung zu Tätigkeiten, die darüber hinausgingen, nicht einfach.

„Extra Vereinbarungen gehören in den Versicherungsschein“, so Lehmanns klare Aussage, die der Bemerkung vorausging, dass Versicherungen eine reine Koordinationspflicht des BIM-Managers nicht abdecken wollen. Die Anregungen zur BIM-Methodendefinition in den BVB, zur Erstellung eines BIM-Abwicklungsplans und den sog. „Auftraggeber-Informations-Anforderungen“ (AIA) mündeten in fünf Praxisempfehlungen.

Zunächst die Wiederholung, dass bei jeder Berufshaftpflicht das Berufsbild mit dem Versicherer zu klären sei und weiter, dass eine Klausel „Datenverlust“ vorgesehen werden solle und der Vertragstext darauf zu prüfen sei, welche Pflichten übernommen würden. In Punkto Rechtsschutz gälte es, Vervielfältigung und auch Drittverwendung von Daten zu bedenken. Die letzte Empfehlung wiederum zielte auf eine Elektronikversicherung und die Frage, ob darin auch Smartboards und andere Baustellen-Hightec sowie Cyber- bzw. IT-Versicherungen bedacht seien.

Zum Schluss tangierte Lehmann die Frage, was denn ein BIM-Manager tue und welche Relevanz das im Haftungs- bzw. Versicherungsgeschehen habe. Rege Diskussionen entfalteten sich in der Folge, denn gemeinhin steht der Architekt bzw. Projektsteuerer in der Koordinationsverantwortung und nicht der BIM-Manager. Einigkeit herrschte darüber, dass nur Sachverhalte ausgeführt werden sollten, die beauftragt seien, denn das klassische Rollenverständnis werde nicht gekippt, sondern nur ergänzt.

Dennoch blieb die genaue Abgrenzung zwischen Projektsteuerer und BIM-Manager strittig, denn wer haftet, wenn eine fehlerhafte Planung freigegeben wird? Hier würden wiederum klare Vereinbarungen im Vorfeld helfen, denn es könne nicht angehen, dass z. B. ein TGA-Planer sich auf die Prüfung durch das BIM-Management verlasse und dieses schlussendlich dafür hafte. Hier sei eine über alle Gewerke hinweg konzipierte Projektversicherung ein probates Mittel.

Donnerstag, 17. November 2016

BIM und Haftung

Die „BIMconvention 2016“ bot auch den richtigen Rahmen für eine rechtliche Perspektive auf BIM. Dr. Thomas Fehrenbach differenzierte zunächst Mehrparteienabkommen und vernetzte Einzelverträge. Würde diese Unterscheidung in der Frühphase des Projektes beachtet, könnten Stolpersteine beiseite gerollt werden, denn die Haftung orientiere sich daran.

In der Folge betrachtete der Düsseldorfer Fachanwalt vier Formen des BIM-Managements, nämlich Strategieberatung, Projektcontrolling, Koodination und Administration. Diese Arbeitsfelder stellten auch den Rahmen für entsprechend vertraglich definierte Leistungspflichten und seien ferner bedeutsam für Vergütung, Haftung, Kündigung und die sog. Gefahrtragung.

Die zweite Hälfte des Vortrags war der Haftung gewidmet. Eine Faustregel heiße hier: „Je mehr Aufgaben, desto umfangreicher das Risiko“. Die kooperative Arbeit mit BIM sei zwar ein Vorteil, zöge aber auch Unklarheit nach sich. Eine verbesserte Dokumentation müsse daher Abhilfe schaffen, denn eine klare Abgrenzung der jeweiligen Leistungsbereiche und -pflichten sei geboten. Derer gäbe es viele und entsprechend zahlreiche Risiken, so z. B. Planungsfehler, Hard- sowie Softwaremängel, Kompatibilitäsprobleme von Modelldaten, Urheberrechtsverstöße oder auch Datendiebstahl.

Die Haftung könne auch gemeinschaftlich ausfallen, wenn allen Beteiligten Pflichtverletzungen vorwerfbar seien oder ein Fehler vom Koordinator schuldhaft nicht erkannt würde. Die abschließende Empfehlung von Dr. Fehrenbach war es denn auch, in die besonderen Vertragsbedingungen (BVB) entsprechende BIM-Klausen aufzunehmen sowie über Projekt- bzw. Projektkostenversicherungen zu versuchen, das Risiko handhabbar zu machen.

Montag, 7. November 2016

Ein BIM-Projekt richtig aufsetzen

Unser Kollege Dr. Joaquín Ramírez Brey gab im Rahmen der „BIMconvention 2016“ einen Einblick in die interne Struktur von BIM-Projekten und stellte zunächst einmal die Unterschiede zu den HOAI-Leistungsphasen fest. Über den gesamten Planungsverlauf bis hin zum Gebäudebetrieb zöge sich die Nutzung des BIM-Modells. Das digitale Handwerk werde letztlich zum nutzbaren Produkt, was ein deutlicher Mehrwert sei. 

Allerdings gehe es bei BIM auch um eine Planungs- und Kommunikationskultur mit dem Ziel, die Transparenz der Prozesse zu erhöhen und damit Sicherheit zu erzielen. Aus Nutzer-Befragungen gehe hervor, dass die Vermeidung von Dokumentenfehlern und -auslassungen, weniger Nacharbeit und die Gewinnung bzw. Sicherung neuer Aufträge als besonders positiv eingeschätzt werde.

Die Ansiedelung des BIM-Managers könne direkt am Bauherren geschehen, bei der Projektsteuerung oder dem Generalplaner bzw. -unternehmer. Auch wäre eine Ergänzung mit BIM-Koordinatoren möglich. Letztlich sei die jeweilige Konstellation Ausdruck der internen Projektstrategie und gehöre in die Vorplanung. Auch BIM-Ziele und zugehörige Anwendungen müssten in diesem Zusammenhang entsprechend koordiniert werden.

Wichtig sei es, bereits in der Vorplanung einen BIM-Abwicklungsplan zu machen und auch, die Anforderungen des Projektes zu definieren. Ein solcher Plan bestehe in der Regel aus den Themen: Zieldefinition, Zuordnung von Anwendungen, Ablauf und einer Definition der Verantwortlichkeiten. Es sei hilfreich, zur Erstellung eine vorlaufende BIM-Analysephase zu haben, die Menschen, Prozesse, Technologien, Daten und Rahmenbedingungen ins Kalkül einbeziehen müsse.

In der abschließenden Fragerunde betone Dr. Joaquín Ramírez Brey unter anderem, dass der Detaillierungsgrad aus späteren Leistungsphasen deutlich nach vorn gelegt werde. Generalplaner benötigten oftmals BIM-Koordinatoren für jedes Gewerk über den Bau und Planungsprozess hinaus und der BIM-Manager spiele eine entscheidende Rolle. So sei er dafür verantwortlich, den kompletten Planungs- und Bauprozess sowie auch die Übergabe an den Betrieb aus digtialer Sicht effizient und störungsfrei zu bewerkstelligen.

Mittwoch, 2. November 2016

Ein Architekt reflektiert über BIM

Matthias Pfeifer ist Gesellschafter im bekannten Düsseldorfer Büro für Architektur+Städtebau „RKW“. Er hielt einen pointierten Vortrag im Rahmen der „BIMconvention 2016“ (BIMcon). Im Verband „BDA“ und auch in der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen ist er ebenfalls aktiv; ein Mann also, der aus der Praxis spricht.

Die grundsätzliche Unterscheidung von Planungsproduzent und -konsument diente Herrn Pfeifer als Einstieg und Brücke, um zu erklären, dass BIM keine Inhalte im Planungsprozess nach vorn verlagere, sondern lediglich ermögliche, spätere Leistungsphasen früher zu beauftragen. Die inhaltliche Tiefe (Level of Development oder auch LOD) im Planungsgeschehen sei der Maßstab und nicht der Zeitpunkt der Erbringung. In der Praxis werde das BIM-Modell meist nur bis zum Maßstab 1:50 detailliert, denn ergänzende 2D-Zeichnungen seien genauer.

Der Referent sah die BIM-Vorteile in der Transparenz, denn Informationen seinen leichter verständlich und auch systematisch verfüg- bzw. auswertbar. Das helfe, Fehler zu entdecken. Planung sei auch leichter zu ändern. Planungskonsumenten (Immobilien- und Bauwirtschaft) wiederum bekämen die Möglichkeit, Informationen weiter zu nutzen. Hier läge auch ein honorarrelevantes Arbeitsfeld, denn es stelle einen Wert dar, Informationen zu beschaffen, zuzuordnen und zu verantworten.

Pfeifer formulierte im letzten Drittel einige Kernthesen. So könne es bei der HOAI bleiben, denn BIM ließe sich leicht abbilden. Der Planer habe die Aufgabe, die Durcharbeitungstiefen zu bestimmen und es könnten bei Bedarf auch Detail-Tiefen (LOD) des BIM-Modells vertraglich fixiert werden. Einem Koordinationsmodell des Architekten käme hohe Bedeutung bei, denn es sei auch in Zukunft nicht davon auszugehen, mit einem einzigen Modell zu arbeiten.

Zu guter Letzt unterstrich der Referent, dass zusätzliches Honorar für Architekten nicht automatisch aus dem BIM-Planungsverfahren resultiere. Nur, wenn über den geschuldeten Werkerfolg hinausgehende Leistungen zu erfüllen seien, entstünde ein Anspruch – etwa bei: besonderer Detailtiefe, nicht planungsgetriebenen Modellanforderungen, der Integration anderer Modelle oder auch Sonderwünschen der Planungskonsumenten.

BIM-Potential für das Facility Management

Marko Bussat vertrat bei der „BIMcon 2016“ die Firma „Bauakademie“ aus Berlin. Er hielt einen detailreichen Vortrag über die Anforderungen, die das Facility Management (FM) an die BIM-Methodik stellt.

Zunächst klärte der Referent, dass es neben einer Immobilien- auch eine Bewirtschaftungsstrategie gibt und beide wiederum in jeweilige Unternehmensziele eingebettet sind. 10-15 % der Gebäudekosten würden über dessen Errichtung entstehen und 80 % aller Aufwendungen im laufenden Betrieb. Hier sei eine Kurskorrektur angebracht, denn BIM konzentriere sich bislang fast nur auf das Modellieren und nicht auf die Nutzungsbelange.

Die Grundsätze der Immobilienbewirtschaftung wurden im Anschluss in den Schritten Risikosteuerung im Lebenszyklus und Wege der Immobilienrenditen besprochen. Bussat ging in der Folge auf die Schnittstellen ein, die das FM braucht. So seien die hauptsächlich abzubildenden Themen: Support- und Objekt-Management, Dienstleistungssteuerung und die sog. Facility Services.

Das zweite Drittel der Redezeit nahm die Vorstellung eines „Baumonitors“ ein, der einzelne Maßnahmen überwachen helfe, aber auch die Gesamtübersicht gewährleiste. Tagesaktuelle Kosten, Finanzierungsunter- oder -überdeckungen und außerplanmäßige Bedarfe seien abbildbar. Die Dokumentenverwaltung und damit im Zusammenhang die Beschleunigung von Genehmigungsprozessen falle leichter. Einige Fallbeispiele halfen gegen Ende dieses Blockes, die komplexen Inhalte nachzuvollziehen.

Nachfragen gab es reichlich. Hier die wichtigsten Antworten. Die durchgängige (!) Berücksichtigung von FM-Belangen während der Planungsphase sei wichtig. Der Aktualität von Informationen und deren Referenzierung bzw. Verknüpfung komme hohe Bedeutung bei. Das Facility Management müsse noch stärker in das Bewusstsein der Bauherren gelangen. Das könne geschehen, wenn FM Teil der Gebäudezertifizierung würde. Gängige Schnittstellen von FM und BIM seien derzeit in der Entwicklung oder auch Datenbanklösungen in der Erprobung.