Sonntag, 21. Oktober 2018

BIM, Parametrik und die Sinne

In den 1980er und 1990er hielt die Computertechnik Einzug in die Bauplanung. Es gab damals unter anderem die Befürchtung, dass die Architektur langweilig würde. Ganz unverständlich war diese Sorge nicht, ließ die Monotonie des Bauwirtschaftsfunktionalismus jener Jahre doch nichts Gutes erwarten.

Eine geistige Dimension wohnt vielen Gebäuden ein, so Adrian Bica in einem Video (s. u.). Mir fällt hier sofort der Begriff Atmosphäre ein und tatsächlich fährt er fort, dass Erinnerung, Gefühle, Intimität in die Architektur eingeschrieben sind. Er hält Gebäude für emotionale Plattformen und beginnt, eine kleine Geschichte der Technologiekritik zu erzählen.

So habe es eine Rationalisierung und Verwissenschaftlichung des Bauens im 18. Jahrhundert gegeben; eine Fehlentwicklung, die sich auch in die moderner Architektur eingeschlichen habe. Eine weitere Erblast der Aufklärung sei die Trennung von öffentlichem und privatem Raum gewesen. Als drittes kritisches Element nennt Adrian die Tendenz, Bauten zum replizierbaren Produkt machen zu müssen.

Er schlägt zur Heilung unserer Architektur vor, die Potenziale von Inszenierung wieder zu entdecken, das Bauwerk und den Raum als emotionale Beziehung zu begreifen und auch, die Handwerkskunst zu integrieren. Diese Forderungen kann ich unterschreiben und frage mich, ob die moderne Computertechnik dem entgegensteht oder nicht.

Mir scheint es möglich, die Formenvielfalt parametrischen Entwerfens mit dem menschlichen Maßstab in Einklang zu bringen. Auch sollte es nicht unmöglich sein, durch deutlich erweiterte Designparameter emotionale Bindungen zum Gebäude zu erzeugen und drittens macht die 3-D Drucktechnik zwar nicht das althergebrachte Handwerk, aber doch eine gewisse Individualisierung von Bauformen machbar.

YouTube: Bringing Back Emotion and Intimacy in Architecture | Adrian Bica
https://www.youtube.com/watch?v=DNqL3iA5xKE

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