Mittwoch, 14. November 2018

Parametrik: ein eigener Stil? Teil 2.

"Diese Hartnäckigkeit mag gelegentlich wie dogmatischer Starrsinn wirken" - mit dieser Befürchtung Schumachers bzw. meiner ganz ähnlichen Skepsis endete der erste Teil dieser Reihe. Nun weiter im Text...

Parametrik lebe von der Interaktion verschiedener Systeme bzw. auch der zwischen deren jeweiligen Subsystemen. Man "interartikuliert" z. B. nicht nur Fassade mit Fenstern, sondern Fassade mit Regen, Sonne, Feuchte, Ausdehnung, Befestigung, Lüftung, Verschattung, Sensorik, Bruchsicherheit, Korrosion etc. mit zig anderen Subsystemen. Auf diese Weise entstünde ein "dichtes Netz von Abhängigkeiten und Assoziationen". Abweichungen würden nicht geschliffen, sie träten vielmehr hervor, was wiederum eine optische Akzentuierung erleichtere.

Da alles mit allem verknüpft sei, lasse sich durch Änderung der kleinsten Parameter die gesamte Konfiguration bzw. Gestalt des 3D-Objektes wandeln: "Parametrische Variationen lösen Gestalt-Katastrophen" aus. Aber nicht nur die Modellgeometrie selbst speise die Variationsfähigkeit, denn auch Lichtverhältnisse oder Kamerapositionen, bzw. -winkel fänden Eingang in das parametrische Netz und erhöhten dessen Wandelbarkeit.

Auch Nutzungen seien als Parameter erfassbar. Ein "reaktives Handlungspotential" und damit das Thema "Bewegung" könnten dementsprechend Niederschlag finden. "Die Integration der gesamten baulichen Morphologie bis hin zur detaillierten tektonischen Artikulation und zur Organisation der Innenräume ist das Ziel – mit dem Anspruch auf tiefe Relationalität.", so Schumacher mit Blick auf die parametrische Stadtplanung. Ein Thema, das fast den ganzen Rest seines Essays einnehmen wird.

Bei allen technischen Möglichkeiten möchte ich dennoch ein kritisches Schlaglicht werfen. Eine rechnerbasierte Entwurfstechnologie sollte als Mittel zum Zweck dienen und nicht zum Selbstzweck werden. Menschliche Bedürfnisse des Wohnens sind auch atmosphärisch, stimmungs- oder gefühlhaft. Solches lässt sich schwerlich auf berechenbare Parameter reduzieren.

Text: „Parametrismus - Der neue International Style“
http://www.patrikschumacher.com/Texts/Parametrismus%20%20-%20Der%20neue%20International%20Style.htm

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