Donnerstag, 22. November 2018

Parametrik: ein eigener Stil? Teil 3.

Etwa die zweite Hälfte des Textes „Parametrismus – Der neue Internationale Style“ nimmt das Thema Städtebau bzw. Stadtplanung ein. Schumacher beginnt mit Le Corbusier und dessen Vorliebe für geometrische Grundformen, wobei er bei dem französischen Modernen ein „[…] eingeschränktes Konzept der Ordnung in ihrer Auffassung als klassische Geometrie“ konstatiert. Er habe möglicherweise zwar Verständnis dafür gehabt, jedoch definitiv keine technische Möglichkeit, höhere Ordnungen zu verkörpern.

Frei Otto hingegen hätte verschiedenste Experimente mit Selbstorganisation gemacht. Diese seien überzeugend, denn sie integrierten „[…] eine Vielzahl von Komponenten – Materialpartikel oder Wegkanäle – in ein simultan organisiertes Kräftefeld“. Es ergäben sich „relationale Felder“, die „organisations- und artikulationsfähig“ seien. Nicht mehr die "Leere" sei der Ausgangspunkt des Entwurfes, wie auch in der klassischen Moderne geschehen, so Schumacher, sondern die "Differenz" habe paradigmatische Konsequenz.

Die „Orientierung in einem komplexen, gesetzmäßig differenzierten Feld geschieht entlang von Vektoren der Transformation“, wobei diese auch auf die Gebäudemassen einwirkten. So könnten z. B. Eingänge, Zonierungen, Fenstermenge und auch -anordnung „Korrelationsregeln“ unterliegen, die wiederum ein vielschichtiges urbanes Gefüge bestimmten. Anhand der Viertel „Kartal“ und „Pendik“ Istanbuls und einem dort gefundenen Entwurf aus dem Hause Hadid, erläutert Schumacher, dass „[…] ein hybrides System aus einem Netz der minimierten Umwege und einem verformten Raster mit hinsichtlich Form und Größe differenzierten Parzellen“ entstanden sei.

Gegen Ende des Aufsatzes lässt Schumacher die Katze aus dem Sack, denn er betont, dass Parametrismus helfe, die derzeitige Kakophonie aus „Typologien, Konstruktionsmöglichkeiten und Stilen“ zu vereinheitlichen. Quasi biologisch, mindestens aber organisch argumentierend, seien „[…] Vielseitigkeit und Anpassungsfähigkeit […] dem Erbgut des Parametrismus eingeschrieben.“

Liebe Leser, ich hoffe, diese kleine Reihe hat das gestalterische Potential parametrischer Entwurfsmethoden aufgezeigt. Man mag Schumacher folgen oder nicht, ein wichtiges Thema bleibt Parametrik allemal, denn es geht dabei nicht nur um technische Realisierbarkeit, sondern um ein Gestaltungsethos und die Frage, wie weit wir der Maschine die Architektur- und Stadtplanung überlassen wollen.


Text: „Parametrismus - Der neue International Style“
http://www.patrikschumacher.com/Texts/Parametrismus%20%20-%20Der%20neue%20International%20Style.htm

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